Auf historischen Schienenwegen

Historische Züge erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit. Ab dem 1. Mai beginnt die Saison 2025 von „Moorexpress“, „Kaffkieker“ und der Kleinbahn Bruchhausen-Vilsen. Aber schon zu Ostern gibt es Aktionstage.

Von Ulf Buschmann

Der Enkel ist voller Vorfreude. „Komm Opa, lass uns schnell einsteigen!“, ruft er ungeduldig. „Nur die Ruhe, mein Junge. Schau, hier muss erst rangiert werden“, entgegnet der Großvater gelassen. Neben ihnen steht die Großmutter und schmunzelt. Sie kennt dieses Szenario noch aus ihrer eigenen Kindheit, ebenso wie ihr Mann. In den 1950er- und 1960er-Jahren, als das westdeutsche Wirtschaftswunder allmählich Fahrt aufnahm, war ein eigenes Auto ein Luxus, den sich nicht jeder leisten konnte. Die Menschen auf dem Land waren auf die Bahn angewiesen.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren die Städter aus Bremen oder Osnabrück mit der Bahn aufs Land, um bei den Bauern Lebensmittel zu hamstern. Doch auch in die andere Richtung war die Bahn von großer Bedeutung: Die Landbevölkerung nutzte sie, um zu den Wochenmärkten in die Städte zu gelangen – oft mit lebenden Tieren wie Schweinen, Kaninchen oder Hühnern im Gepäck. Im Volksmund wurden die Kleinbahnen daher häufig „Ferkeltaxe“ genannt.

Fahren in der Holzklasse

Mit dem zunehmenden Wohlstand und der Verbreitung des Autos verlor die Bahn jedoch an Bedeutung. Bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren wurden die Zugverbindungen ausgedünnt. Zunächst fuhren die Züge nur noch stündlich, dann zweistündlich, bis schließlich der Personenverkehr ganz eingestellt wurde. Hier und da gab es noch Güterverkehr, doch auch dieser wurde nach und nach aufgegeben. Die eingleisigen, meist nicht elektrifizierten Schienenstrecken überwucherten und verfielen.

Zum Glück gab es Eisenbahnfreunde, die sich der Erhaltung dieser Zugtraditionen verschrieben hatten – wie der 1964 gegründete Deutsche-Eisenbahn-Verein (DEV) in Bruchhausen-Vilsen. Von dort aus werden regelmäßig Fahrten auf der meterspurigen Strecke nach Asendorf sowie Touren auf der Normalspur angeboten. So auch am 12. April mit dem historischen Triebwagen T3, Baujahr 1959, zum Panzermuseum nach Munster – mit dem „Kaffkieker“ und dem „Heide-Express“ aus Lüneburg. Der DEV verspricht eine Reise „im Stil der 50er-Jahre“.

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An diese Fahrten denken auch Oma und Opa, als sie zusammen mit ihrem Enkel den Personenwaggon besteigen. Eine „3“ zeigt an: Hier sitzen die Gäste in der 3. Klasse auf Holzbänken. Deshalb sprach der Volksmund von der „Holzklasse“. Zwar ist der Waggon von den Betreibern der Verdener Eisenbahnfreunde (VEF) saniert und aufgearbeitet worden, doch die Atmosphäre hat sich nicht verändert: Es rumpelt, rattert und schaukelt. Nach gut der Hälfte der Fahrt schmerzen die Sitzflächen von den harten Holzbänken. Doch das stört weder die Großeltern noch den quirligen Enkel. Alle genießen den kleinen Ausflug von Verden nach Stemmen.

Kaffkieker-Museumsbahn-Hoya-Syke

Der „Kaffkieker“ fährt jeden 1. und 3. Sonnabend von Hoya nach Syke und zurück. Foto: Dieter Koch

Moorexpress und Kaffkieker

Regelmäßig gibt es auf diesen einst so wichtigen Nebenstrecken Fahrten mit historischen Fahrzeugen. Der „Kaffkieker“ verkehrt jeweils jeden ersten und dritten Samstag im Monat. Der inzwischen weit über Norddeutschland hinaus bekannte „Moorexpress“ ist hingegen regelmäßig auf der Strecke unterwegs. Mit einem vor zwei Jahren grundsanierten „Uerdinger Schienenbus“ aus den 1950er-Jahren geht es an den Wochenenden sowie an Feiertagen vom Bremer Hauptbahnhof nach Stade und zurück.

Kurz hinter Osterholz-Scharmbeck verlässt der „Moorexpress“ die Strecke Bremen-Bremerhaven und fährt quer durchs Teufelsmoor und die Geestlandschaft seinem Ziel entgegen. Dabei muss der Triebzug, der mit einem Trieb- und einem Beiwagen unterwegs ist, unzählige Male Warnsignale geben. Da die Schienen oft Wirtschafts- und Feldwege kreuzen, sind diese lediglich mit einem Andreaskreuz gesichert. Nur an den Bahnübergängen an Kreis- oder Bundesstraßen gibt es moderne Anlagen.

Museumsbahn-Schienenfahrzeuge-Kleinbahnexpress Verden-Stemmen

Nicht nur die Fahrzeuge sind historisch, auch die Bahnkarten. Foto: Ulf Buschmann

VGH und EVB

Während der DEV ein Verein ist, gehören der „Kaffkieker“ und der „Moorexpress“ Verkehrsunternehmen; der „Kaffkieker“ den Verkehrsbetrieben Grafschaft Hoya (VGH), der „Moorexpress“ den Eisenbahnen und Verkehrsbetrieben Elbe-Weser (EVB). Beide sind zwar privatwirtschaftlich organisiert, doch direkte und indirekte Gesellschafter sind ausschließlich Landkreise und Kommunen. Die VGH gehören den Landkreisen Nienburg und Diepholz, der Stadt Hoya, der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, der Stadt Syke, den Gemeinden Hoyerhagen und Eystrup, die EVB und der Verden-Walsroder Eisenbahn (VWE).

Die EVB ist im Besitz des Landes Niedersachsen über die Hannoversche Beteiligungsgesellschaft, die Landkreise Rotenburg, Stade, Osterholz, Cuxhaven und Harburg, die Samtgemeinde Zeven, die Gemeinde Worpswede sowie die Städte Bremervörde und Rotenburg. Das Unternehmen betreibt zahlreiche Regionalbuslinien und bietet sogenannte Infrastrukturdienstleistungen an, das heißt: Die EVB zieht beispielsweise Containerzüge von den Häfen in Bremerhaven, Cuxhaven und Hamburg nach Süddeutschland.

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Saisonbeginn 1. Mai

Doch daran denkt aktuell kaum jemand. Die Freunde historischer Züge und die Verantwortlichen fiebern vielmehr dem Saisonbeginn am 1. Mai entgegen. Nach den Sonder- und Aktionsfahrten geht es mit Beginn des Wonnemonats wieder regelmäßig auf die Schiene. Die letzten Fahrten wird es Anfang Oktober geben.

Und wenn die Eisenbahnfreunde nicht ihre Fahrgäste betreuen, heißt es: Arbeitsdienst in der Werkstatt. Denn die historischen Fahrzeuge benötigen ein gehöriges Maß an Pflege. Dass es daran mal hapert, ist ziemlich unwahrscheinlich. Denn bei historischen Lokomotiven oder Waggons werden auch Opas wieder zu Kindern.

Preise und Fahrpläne

Alle wichtigen Informationen des DEV gibt es hier zum Download. Buchungen für den „Kaffkieker“ sind hier möglich. Wer sich für den „Moorexpress“ interessiert, findet hier alle notwendigen Informationen.