Camping als Lebensgefühl: Hier ist die Welt noch normal

Im Campingpark Oyten gibt es 230 Plätze. Corona und Hitze sorgten für einen „vollen“ Sommer 2020. Viele der Camper kommen Jahr für Jahr wieder.

Von Frank Schümann

Camping als Lebensgefühl: aufwachen am Busen der Natur, sich den Tag völlig frei einteilen, abends mit Freunden und Nachbarn zusammensitzen, grillen, etwas trinken und Klönschnack halten. Zigtausende Menschen machen das so, verbringen ihren Urlaub oder auch den ganzen Sommer als Entspannungskünstler und Naturliebhaber auf dem Campingplatz. Allein in Deutschland gibt es 3000 davon, mit etwa 223.600 Stellplätzen. Zeitlos sei das, sagen die, die es lieben – und davon finden sich auch am Campingplatz am Oyter See, der seit einiger Zeit von den Knaus Campingparks betrieben wird, so einige. Rund 230 Zelt- und Stellplätze gibt es auf dem Gelände, rund 90 davon sind Dauercamper, die Jahr für Jahr wiederkommen. In diesem Sommer haben Hitze und Corona dafür gesorgt, dass der Platz so voll war wie lange nicht mehr. „Anfang August waren wir annähernd ausgebucht“, erzählt Katrin Kieper.

Das Foto zeigt Katrin Kieper (links) und ihre Kollegin Olivia Becker in der Rezeption des Campingplatzes Oyten.

Gut zu tun: Katrin Kieper (links) und ihre Kollegin Olivia Becker kümmern sich in der Rezeption um die Gäste – auch telefonisch. Fotos: Frank Schümann

„Ich lebe meinen Traum“

Die 48-Jährige kümmert sich gegenwärtig um die Belange der Gäste auf dem Campingplatz; angefangen hatte sie im März als Rezeptionistin, jetzt ist sie bereits die wichtigste Ansprechpartnerin für die Camper. Ihre Lebensgeschichte weist sie ebenfalls als passionierte Camperin aus: Gemeinsam mit ihrem Mann, der auf dem gleichen Gelände als Platzwart agiert, lebt sie quasi ihren Traum: „Ich wollte immer schon einmal auf dem Campingplatz leben“, sagt die gebürtige Leipzigerin lachend, auf deren Mund-Nasen-Schutz wie zum Beweis die Aufschrift „Camping ist geil“ steht. Kieper ist derzeit nicht nur kommissarisch für die Gäste verantwortlich, sondern quasi selbst auch ein Gast: Mit ihrem Mann, den beiden Collies Didi und Dumbledore und einigen Katzen lebt sie ebenfalls im Wohnwagen auf dem Gelände – das sorgt dann auch für eine besondere Bindung zu den meisten anderen Campingplatz-Bewohnern. „Das muss man schon lieben“, sagt sie. „Wir hatten auch schon mal einen Erstwohnsitz auf einem anderen Platz.“

Der Badesee mit Blick vom Spielplatz.

Der Badesee mit Blick vom Spielplatz.

Der Freund hat keine Wahl

Diese Liebe zum Camping teilt sie mit den „richtigen“ Gästen, die diese Liebe wiederum häufig auch oft aus der eigenen Kindheit speisen. Denn die Erinnerung spielt eine große Rolle – wer einmal gecampt hat, der kennt dieses besondere Lebensgefühl, und es lässt ihn nicht mehr los. So wie bei Katja Wirth. Seit 35 Jahren kommt sie auf diesen Platz, erzählt sie: „Ich war fünf, als mich meine Eltern das erste Mal mitgenommen haben, und diese Eindrücke haben mich absolut geprägt.“ Mittlerweile hat sie ihre Leidenschaft längst an ihre beiden Söhne weitergegeben. Tim, der ältere von beiden, macht quasi nebenan auf der Wakeboarding-Anlage seine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann; und obwohl Katja Wirth aus Bremen stammt, ist sie mittlerweile sogar ganz nach Oyten gezogen.

Tauschen gerade das Zelt gegen einen Wohnwagen: Sonja Ebeling (links) und Claudia Meyer.

Tauschen gerade das Zelt gegen einen Wohnwagen: Sonja Ebeling (links) und Claudia Meyer.

Was die Liebe zum Camping betrifft, so hatten weder der Ex-Mann noch der aktuelle Lebensgefährte eine Wahl, erzählt sie – sie mussten diese Leidenschaft mitleben. „Mich gab es nur mit Campingplatz“, lacht sie. Den Männern fiel das allerdings nicht schwer –„mein Ex ist auch immer noch auf dem Campingplatz, wir sind eine große Patchworkfamilie“, so die 40-Jährige. Den Campingplatz zu wechseln, sei ihr auch noch nie in den Sinn gekommen: „Mein Herz hängt hier fest. Und das wird auch immer so sein.“

Kommt seit sage und schreibe 35 Jahren auf den Campingplatz: Katja Wirth - jetzt hat sie sogar eine eigene Bar.

Kommt seit sage und schreibe 35 Jahren auf den Campingplatz: Katja Wirth – jetzt hat sie sogar eine eigene Bar.

In 35 Jahren hat sie natürlich vieles erlebt, auch viele Pächter und Verwalter. Gegenwärtig sei es hier besonders schön, sagt sie. Gerade vor einigen Tagen hat sie ihre neue Privat-Bar auf dem eigenen Grundstück eingeweiht – mehr „Wohlfühl-Feeling“ geht kaum. Warum sie so gerne hier ist? „ich mag es hier einfach“, sagt sie, „es ist schön hier, ich kann tun und lassen, was ich will, habe nette Menschen um mich herum, und es ist immer was los – das ist halt Freiheit.“ Und: „Das Schöne ist ja auch, meine Kinder wissen noch, wie echtes Spielen geht – die haben noch Verstecken und mit Stöcken gespielt, Tischtennis und Fußball, so wie wir früher.“ Hier brauche man keine Daddelboxen und immer ausgefeiltere Pistolen – die würden die Kinder hier auch gar nicht vermissen.

Nicht alles ist Gold

Zurück zu Frau Kieper in die Rezeption, wo sie mit ihrer jungen Kollegin Olivia Becker sitzt. Für die 25-jährige Studentin, die gerade von BWL auf Hebammenwissenschaft umgesattelt hat, ist es ein spannender Nebenjob – eigentlich wollte sie sich in diesem Sommer im Hotelbereich ein paar Euro dazuverdienen, das fiel wegen Corona aus – aber dafür gab es auf dem Campingplatz Bedarf. „Das macht schon Spaß hier, man lernt viele unterschiedliche Menschen kennen.“ Gibt es etwas, was all diese Menschen miteinander verbindet? Becker überlegt kurz, sagt dann: „Vielleicht sind sie etwas robuster als andere.“

Katrin Kieper vom Campingplatz mit ihren beiden Collies Didi und Dumbledore.

Katrin Kieper vom Campingplatz mit ihren beiden Collies Didi und Dumbledore.

Als das Telefon klingelt, ist die Polizei dran: „Wir hatten sie informiert, dass die Schranke kaputtgemacht wurde“, berichtet Kieper, „das kommt leider häufiger vor.“ Seit März sei es das dritte Mail, so Kieper weiter. Überhaupt sei eben auch nicht alles Gold, was glänzt – bei aller Freiheit und Campingromantik: Der Gemeinschaftsgedanke habe über die Jahre ein bisschen gelitten, findet sie, man denke sich nicht mehr so sehr in den anderen hinein, wie sie das in jungen Jahren erlebt habe. Auch was die Umsetzung der Corona-Regeln betrifft, mache dies keineswegs jeder anstandslos mit: „Manche kommen ohne Maske in die Duschräume, trotz Aufforderung, das gefällt uns natürlich nicht“, sagt sie.

Vorsicht vor dem Hund – das Schild spricht für sich.

Vorsicht vor dem Hund – das Schild spricht für sich.

Doch das Gros der Camper verhalte sich angemessen – und fast so, als könne man die Uhr 30 bis 40 Jahre zurückstellen, was der Rundgang auf dem Gelände bestätigt. Auch säßen einige der Gäste abends noch wie zu früheren Zeiten gemütlich an der Feuerschale beisammen.

Während wir uns unterhalten, kommt ein Paar in die Rezeption und schaut sich um – standesgemäß mit Maske. Auffällig: Sonja Ebeling aus Bremen trägt eine grünweiße Bremen-Maske, Claudia Meyer hält es dagegen rotweiß mit den Stuttgartern. Sie kommt aus Baden-Württemberg, ist der Liebe wegen nach Bremen gezogen. „Wir zelten schon seit 30 Jahren“, sagt Ebeling, in der Regel auf verschiedenen Plätzen – jetzt sind sie gerade dabei, auf einen Wohnwagen umzusteigen und haben den entsprechenden Platz dafür gemietet. „Das Campen gehört bei uns einfach dazu. Ich mag es, mit wenig auskommen zu müssen“, sagt Meyer, und Ebeling ergänzt: „Das ist einfach eine Art zu reisen und zu leben, die einen erdet.“

Enkel Mika, der Zocker

Helga und Hermann Holst haben beim

Helga und Hermann Holst haben beim „Mensch-ärgere-dich-nicht“ keine Chance gegen Enkel Mika.

Ebenfalls erfahrene Camper sind Helga und Hermann Holst aus Bremervörde, die seit Jahren mit ihrem Wohnwagen im Sommer auf dem Platz sind. Dieses Mal ist Enkel Mika dabei, der Oma und Opa beim „Mensch-ärgere-Dich-nicht“-Spiel keine Chance lässt. „Der zockt die regelmäßig ab“, konstatiert Karin Kieper lachend, bevor sie eine Gruppe Jugendlicher grüßt, die sich gerade mit großem Hallo anschicken, zum See zu gehen. „In Oyten ist das richtig schön“, sagt Helga Holst, die mit ihrem Mann früher auch schon auf anderen Plätzen war; aber dieser soll es jetzt sein und bleiben, auch für die nächsten Jahren.

Die beiden leben die klassische Camper-Idylle: Abends schnappt er sich sein Hefeweizen und eine Fachzeitschrift, während sie zum Strickzeug greift. Und Enkel Mika? Findet den aktuellen Urlaub mit Oma und Opa sogar besser als den mit seinen Eltern an der Ostsee. Ist denn in diesem Jahr etwas anders, spürt man Corona? „Es ist definitiv voller als im letzten Jahr“, sagt Frau Holst, „am See auf jeden Fall, und ich meine auch, auf dem Platz.“ An die Abstands- und Maskenregel würden sich die Leute mal mehr, mal weniger halten. Aber das Campinggefühl an sich werde durch die Pandemie nicht beeinträchtigt.

Der See im Zentrum

Stichwort See – er ist natürlich ein zentrales Element im Knaus-Campingpark Oyten. „Er wird viel genutzt“, sagt Kieper, „unsere Gäste wissen es auch sehr zu schätzen, dass wir einen separaten Zugang haben.“ Der allgemeine Strand dürfe natürlich auch benutzt werden, zudem gibt es einen großen Spielplatz und eine Wiese, auf der ab und an besondere Veranstaltungen stattfinden. Viele Möglichkeiten also, hier einen schönen Sommer zu verbringen oder auch nur ein schönes Wochenende. Oder, um es mit den Worten von Campingplatz-„Urgestein“ Katja Wirth zu sagen: „Das Besondere an diesem Ort ist einfach, dass hier die Welt noch normal ist.“

Idyllisch – der See von der linken Seite.

Idyllisch – der See von der linken Seite.

Mehr Informationen

Interessierte können sich unter www.knauscamp.de/oyten-bremen schlau machen. Dort finden sich auch die Preise.