Festival Maritim

Nach zwei Jahren Pause darf das Festival Maritim im Bremer Stadtteil Vegesack wieder stattfinden – sehr zur Freude der Besucher. Ein abendlicher und vormittäglicher Rundgang.

Von Ulf Buschmann

Ob die Besatzung der „RMS Duisburg“ wohl gerne an Land gegangen wäre, anstatt nach Großbritannien zu schippern. Zumindest senden die Seefahrer auf Höhe der Fährstelle Vegesack-Lemwerder einen Gruß via Typhon, sozusagen an die Seefahrer im Geiste. Diese tummeln sich an diesem Wochenende tausendfach im Herzen des Nordbremer Stadtteils Vegesack. Denn dort findet nach zweijähriger Unterbrechung wegen der Corona-Pandemie endlich wieder das Festival Maritim statt. Es ist die 22. Auflage dieses nach eigenen Angaben größten deutschen Seamusic-Festivals.

Auf drei großen Bühnen im Vegesacker Stadtgarten, am Utkiek und am Vegesacker Hafen gibt es eine Mischung aus traditionellen Arbeiterliedern, den Shanties der Seefahrer, keltischem Folk, Rock und sogar ein bisschen Punk. Längst hat das Festival Maritim seinen Ruf der ersten Jahre abgelegt: Shanties, ach ja, das sind diese Schunkellieder mit verklärender Seefahrerromantik. Diese Auftritte gab es in den Anfangsjahren zwar. Inzwischen findet sich dieses Genre aber nur noch am Rande – zum Glück.

Za Horizontem.

Za Horizontem machen den Anfang auf der Bühne am Vegesacker Hafen. Fotos: Ulf Buschmann

Richtung Weser

Das Festival Maritim, Ausgabe 2022, ist ein Mix quer durch alle Musikstile; und ein Festival für jedes Publikum. Am ersten Abend sind Jugendliche und Teenager genauso unterwegs wie die breite Masse der 30- bis 50-Jährigen. Dass dieses Festival bei den Fans scheinbar nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat, zeigt sich nicht nur zwischen und vor den Bühnen selbst. Aus den Nebenstraßen strömen die Leute am Freitagabend ab 18 Uhr in Richtung Weser.

Orkiestra Samanta.

Orkiestra Samanta geben am Abend den Ton auf der Hafenbühne an.

Noch sind die Besucher ein bisschen auf Distanz – typisch norddeutsch eben. Während die polnische Band Za Horyzontem sich redlich müht, gute Stimmung zu machen, sitzen die Leute dann doch erst einmal auf den Bänken, schnacken mit Freunden und genießen das Ambiente. Dazu gehört an diesem Wochenende übrigens auch ein gut gefüllter Museumshafen mit diversen Gastliegern – was im Sommer meistens weniger der Fall ist. Erst mit Einbruch der Dunkelheit kommt an und vor der Bühne mehr Stimmung auf. Ab 20.30 Uhr steht dort Orkiestra Samanta auf der Bühne.

Los Paddys.

Beim Auftritt von Los Paddys ist es noch hell.

Party on!

Die Partyzonen des Festival Maritim sind traditionell die Bühnen am Utkiek und im Stadtgarten, dem Vegesacker Balkon. Wer gerne flaniert beziehungsweise hier und dort mal schaut, muss sich stets darauf einstellen, schwer durch die Masse der Zuschauer vor der Bühne durchzukommen. Aber das gehört beim Festival Maritim zum Festival-Gen – sehr zur Freude der Getränkestandbetreiber, die in diesem Bereich gleich am Vegesacker Hafenkopf ein gutes Geschäft machen.

Les Souillés de fond de cale

Les Souillés de fond de cale auf der Utkiek-Bühne.

Auf der Bühne mit der Weser und der untergehenden Sonne geben an diesem Abend Les Souillés de fond de cale, Brasy und Unicorn Gas. Die letzte Formation des ersten Abends, Aqua Marina aus Gliwice, setzt mit ihrem A-capella-Gesang einen durchaus guten Kontrapunkt zu den selbst für manch’ hart gesottene Zuschauer doch etwas zu viel mit Gegröle angereichertem Programm der anderen Bands.

„Pyrate!“ gibt auf der Bühne im Stadtgarten Gas.

Die Fans

Apropos Fans – die sind zum Teil schon vor der offiziellen Eröffnung vor Ort und lauschen dem Soundcheck. Denn am Abend bringen die „Pyrates!“, Foggy Crew und die heimlichen Stars Harmony Glen aus den Niederlanden die Bühne unterhalb des Vegesacker Balkons zum Beben. Da sei die offizielle Eröffnung mit Bremens Bürgerschaftspräsi Frank Imhoff, dem Vegesacker Jungen, und sonstigen halbwegs wichtigen Gestalten schnell vergessen, finden Eingefleischte an diesem Abend. Und so soll es sein. Die „Pyrates!“ lassen die Arme der Zuschauer schon ordentlich mitgehen.

Festival Maritim

Festivalstimmung bei Sonnenuntergang.

Gleiches machen die Jungs der Foggy Crew aus Harpstedt. Sänger Jan Finke ist erstaunt und erfreut zugleich: „Ich freue mich ja wirklich, dass hier so viele Männer mit Röcken sind.“ Applaus! Der bricht sich später noch mehr bei Harmony Glen Bahnen. Logisch, dass die Menschen, die sich am nächsten Tag treffen, ein wenig dicke Klüsen haben. „Wie lange habt ihr es noch ausgehalten?“, fragt der eine Besucher den anderen am Sonnabendmittag. „Bis zum Schluss“, ist die Antwort.

De Kaapstander.

De Kaapstander aus den Niederlanden sind von Fang an dabei.

Gesang und Einkauf

Zum Festival Maritim gehören ebenso die Walking Acts: Am Sonnabendvormittag sind die Bands in der Vegesacker Fußgängerzone unterwegs. An mehreren Stationen packen sie ihre Instrumente aus und geben ihr Programm zum Besten. So wird aus den kompletten knapp drei Kilometern Einkaufsmeile eine einzige große Bühne – sehr zum Vergnügen der Menschen, die ihre Erledigungen für die Woche machen.

Trio Tripple.

A Capella zu dritt: Tripple in der Fußgängerzone.

Dort, wo es Musik gibt, knubbelt es sich in der Regel. Aber motzen, nein, das gehört nicht zum Festival Maritim. Im Gegenteil, es geht wohl an kaum einem Platz so entspannt zu, wie bei der 22. Ausgabe des Festival Maritim. Dieses endet nach einem rappelvollen Sonntag mit musikalischen Angeboten mit Open Ship auf dem Versuchskreuzer Bremen und Kinderprogramm am Sonntagabend mit dem Shantyslam und anschließendem Feuerwerk.

Das Programm am Sonntag

An diesem Sonntag, 7. August, gibt es beim Festival Maritim noch einmal die volle Packung musikalisches Programm. Genaue Informationen sind hier zu finden. Darüber hinaus lädt der Verein MTV Nautilus mit seiner Barkasse „Vegebüdel“ von 12 bis 17 Uhr zu Rundfahrten auf der Weser und der Lesum ein. Wer sich für die Geschichte der modernen Seenotkreuzer interessiert, dem sei ein Besuch auf dem Versuchskreuzer “Bremen“ empfohlen. Die ehrenamtliche Crew lädt von 11 bis 18 Uhr zum Open Ship ein. Aber Vorsicht, es könnte nach Diesel riechen.

Versuchskreuzer

Auf dem Versuchskreuzer „Bremen“ ist am heutigen Sonntag noch Open Ship.

Kaffee oder Tee?

Wenn Ihnen mein Inhalt gefällt, freue ich mich über eine Unterstützung.
Vielen Dank. Warum wir so gerne Kaffee trinken erfahren Sie hier.


Ihre Auswahl




Kaffee oder Tee?

Sie können Ihren Betrag auch überweisen!

Ulf Buschmann – IBAN DE87 2905 0101 0015 1469 62 – SWIFT-/BIC-Code SBREDE22XXX
Umsatzsteuer-Nummer: 60 211 30824 – Umsatzsteuer-ID: DE193372570  – Finanzamt Bremen