Windrad: Genossenschaft beteiligt Bürger

Die Genossenschaft Bürger Energie-Syke will zwei Windräder in Süstedt betreiben. Bis zum Advent 2022 können Einwohner Anteile zeichnen und so mitverdienen.

Von Andree Wächter

Viele Jahre haben die Planungsarbeiten auf allen Ebenen für den Bürgerwindpark in Süstedt gedauert. „Wir gehen davon aus, im ersten Quartal 2023 mit dem Bau beginnen zu können“, sagt Planer Söhnke Schierloh über den Stand der Dinge. Ende 2023 sollen sich die ersten der acht Windräder drehen.

Das Konzept eines Bürgerwindparks sieht vor, dass sich die Einwohner – in diesem Fall die, der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen – daran beteiligen können. Dafür hat der Planer die Genossenschaft Bürger Energie-Syke (BES) mit ins Boot geholt.

Ein Windpark entsteht. Die BES betreibt zwei Bürgerwindräder.

Ein Windpark entsteht. Zwei Windräder stehen schon, für weitere liegen schon die Rotorblätter parat.

Ziel der Kooperation ist es „den Bürgerinnen und Bürgern der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen die Möglichkeit zu bieten, direkt am Betrieb von zwei Windenergieanlagen teilhaben zu können. Die weiteren Windenergieanlagen werden durch Grundstückseigentümer oder die Schierloh Engineering GmbH betrieben. Ein Windrad ist außerdem der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen angeboten worden“, so Schierloh. Ein Teil des Stroms ist auch für die geplante Wasserstofftankstelle eingeplant.

Genossenschaft beteiligt Bürger am Windrad

Ab sofort können die Einwohner aus Bruchhausen-Vilsen, Martfeld, Schwarme und Asendorf ihre unverbindliche Absichtserklärung (Beteiligungserklärung) bei der Genossenschaft Bürger Energie-Syke hinterlegen. Erst nach Bestätigung durch den Vorstand erhalten diese Erklärungen eine Verbindlichkeit. Das Formular dafür ist online abrufbar.

Nach dem Einreichen der Absichtserklärung muss man noch nicht gleich das Geld parat haben. „Das Geld muss erst überwiesen werden, wenn die Genehmigung für die beiden Windräder vorliegt.“ Es wird davon ausgegangen, dass es gegen Ende des Jahres so weit sein wird.

Das Minimum beträgt laut BES-Vorstand Ralf Borchers 1.000 Euro. „Das entspricht zehn Anteilen an der Genossenschaft“, sagt er. Interessierte können maximal 500 Anteile zeichnen, mit einem Gegenwert von 50.000 Euro. Mit dem Limit soll verhindert werden, dass sich nur einige wenige beteiligen. Des Weiteren wird es mehr kleine Anteile von 1.000 oder 2.000 Euro und weniger große Anteile geben. So sollen möglichst viele Einwohner der Samtgemeinde von dem Bürgerwindpark partizipieren.

Bürgerwindpark: Neuland für die BES

Für die BES ist ein Windpark Neuland. Sie hat bis jetzt in Syke diverse Solarprojekte realisiert. „Wir freuen uns auf das neue Projekt“, sagte Borchers über das Vorhaben. Damit die BES nun auch Bürger-Windparks betreiben darf, musste ihre Satzung zuvor noch geändert werden.

Egal ob 1.000 oder 50.000 Euro, die Frage, die sich alle Bürgerwindrad-Anteilseigner stellen, lautet: Was bekommen ich am Jahresende an Dividende raus? „Inflationsausgleich und ein bisschen obendrauf“, so die vorsichtige Antwort von BES-Vorstand Ralf Borchers. Grundsätzlich ist das Geld einer Genossenschaft nicht weg. Nach einer Mindestlaufzeit können die Anteile zurückgegeben werden und man bekommt den Kaufpreis zurück.

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Dass die Syker nun in der Samtgemeinde aktiv werden, hat einen praktischen Grund. „Ich wollte keine Doppelstrukturen aufbauen“, sagt Söhnke Schierloh. „Und sie haben seit 14 Jahren das Knowhow.“ Der Süstedter hätte ohne die Kooperation für den Bürgerwindpark erst eine Genossenschaft gründen müssen.

Auch das „Syke“ im Namen ist kein Problem. Der Aktionsradius ist laut Borchers der Landkreis Diepholz. Meint: Sollten gegen Ende des Jahres noch Anteile frei sein, dann könnten auch Bürger aus dem Landkreis noch in den Genuss von Anteilen kommen.

Windräder sorgen für mehr Unabhängigkeit

Mit jedem Windrad wird Deutschland ein kleines bisschen Unabhängiger von importierten Rohstoffen wie Gas und Erdöl. Dies ist nicht erst seit dem Ukraine-Krieg klar. Mit einem Windrad wird Strom vor Ort produziert. Schierloh geht davon aus, dass ein Windrad durchschnittlich 15 Megawatt pro Stunde (MW/h) im Jahr an Windstrom produziert.

Grüner Strom, der nicht aus Gas, Kohle oder Atom gewonnen wird. „Die Bürger verstehen, dass wir etwas tun müssen“, sagte Borchers. Und Schierloh ergänzte: „Mit dem Bürgerwindpark bleibt die Wertschöpfung vor Ort, das ist unser oberstes Ziel.“

Über die BES

Aktuell betreibt die BES neun Photovoltaikanlagen, teils mit Batteriespeicher, auf öffentlichen und gewerblichen Dächern innerhalb der Stadt Syke. Dort werden jährlich zirka 300 kW Strom produziert. Dies entspricht dem Verbrauch von rund 100 Haushalten.

Durch das geplante neue Projekt „Wind“ wird mit einem Schlag die regenerative Energieerzeugung der BES um mehr als das 35-Fache gesteigert werden können. Also mehr als 3500 Haushalte könnten dann zusätzlich mit Strom versorgt werden.

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