Neue Männer braucht das Land – als Seniorenbegleiter

Die Aufgaben als Seniorenbegleiter sind vielfältig. Das Spektrum reicht vom Einkaufen bis zum Biertrinken gehen.

Von Andree Wächter

Wer glaubt, dass ein ehrenamtlicher Seniorenbegleiter (Alltagshelfer) nur eine Freizeitbeschäftigung für Männer und Frauen ab 50 Jahren ist, der irrt. Beim abgeschlossenen Kursus im Oktober war die jüngste Teilnehmerin 17 und die älteste 77. Was aber fehlt, sind männliche Seniorenbegleiter und Personen, die im hauswirtschaftlichen Bereich unterstützen. Für beides herrscht eine große Nachfrage bei den Anbietern.

„Ein Seniorenbegleiter geht zu den Personen nach Hause und unterstützt beim Arztbesuch oder Einkaufen“, sagt Maria Ziegeler von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Bruchhausen-Vilsen. Das Aufgabenspektrum ist weit gefächert. „Jeder Fall ist anders“, so Ziegeler. Manchmal geht es auch nur darum, da zu sein oder eine Tasse Kaffee zusammen zu trinken. „Es gibt auch Klienten, die ein bisschen Action im Leben haben wollen.“ Dies kann ein Ausflug sein oder mal ein Bier in einer Kneipe trinken. Gerade männliche Senioren haben gerne mal einen Mann als Begleiter.

Seniorenbegleiter: Anbieter bieten gemeinsame Ausbildung an

Die AWO betreibt zwei Seniorenservice-Büros im Landkreis Diepholz. Neben Bruchhausen-Vilsen auch noch eins in Sulingen. Der Landkreis ist der Einzige im Land Niedersachsen, der die vom Land geförderte Seniorenberatung dezentralisiert hat. In acht Mitgliedskommunen gibt es ein Seniorenservice-Büro, dies sind noch Syke, Bassum, Weyhe, Diepholz, Twistringen und Stuhr. Betreiber sind freie Träger. Das dezentrale Modell hat den Vorteil, dass es kurze Wege gibt. In den anderen Landkreisen ist die Beratungsstelle meist im Kreishaus angesiedelt.

Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Ausbildung von ehrenamtlichen Seniorenbegleitern. Um ihre Kräfte zu bündeln, arbeiten die Anbieter zusammen. Konkret: Es gibt zweimal im Jahr einen gemeinsamen Lehrgang. „Der nächste ist fürs Frühjahr 2023 geplant“, sagt Maria Ziegeler. Und weiter: „Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Er wird aber arbeitnehmerfreundlich sein.“

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In mindestens 30 Unterrichtsstunden geht es um die Themen: Umgang mit Einschränkung im Alter, Krankheitsbilder, Demenz, Schlaganfall, Parkinson und Hygiene. Wesentlich ist aber auch die Frage: „Was ist am Lebensende?“ Zu speziellen Themen kommen Gastreferenten wie der Hospizverein dazu. Ziegeler: „Wir haben auch eine Logopädin, die über Schluck- und Sprachstörungen informiert.“

Am Ende bekommen die Teilnehmer ein Zertifikat. Damit kann man sich als Nachbarschaftshelfer mit Gewinnerzielung auch selbstständig machen. Dazu muss man beim Landesamt für Soziales das Zertifikat und ein Konzept einreichen. Kleine Einschränkung: In diesem Fall muss derjenige den Kurs bezahlen.

Interessierte können sich einfach bei ihrem Seniorenservice-Büro melden. In einem Vorgespräch wird abgeklopft, ob die Chemie stimmt. Einzige Voraussetzung ist, dass der Bewerber Lust am Umgang mit Menschen hat. Eine Ausbildung in einem Pflegeberuf ist hilfreich, aber keine Voraussetzung.

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Nach der Ausbildung sind die AWO und die weiteren Seniorenservice-Büros weiterhin Ansprechpartner für die Seniorenbegleiter. Neben dem fachlichen Austausch treffen sich die Männer und Frauen auch in gemütlicher Runde.

Maria Ziegeler

Maria Ziegeler Foto: AWO

Die AWO hat an ihren beiden Standorten Sulingen und Bruchhausen-Vilsen mehr als 50 Seniorenbegleiter gelistet. Sie kümmern sich um rund 70 Klienten. Die Aufwandsentschädigung für Ehrenamtliche kann bei einem Pflegegrad über die Pflegekasse abgerechnet werden. Alle anderen können das Angebot auch buchen, müssen es allerdings aus privater Tasche finanzieren.

Über Maria Ziegeler

Maria Ziegeler hat 25 Jahre Berufserfahrung im stationären, sowie im teilstationären und ambulanten Bereich. Ziegeler ist seit 2019 Pflegeberaterin nach § 7a SGB XI. Seit 2020 ist sie bei der AWO in Bruchh.-Vilsen. Seit Januar 2022 leitet Maria Ziegeler auch den Senioren- und Pflegestützpunkt der AWO in Sulingen.