Bjarnes Superfund

Bjarnes Fund einer 1.800 Jahre alten römischen Silbermünze scheint Bremen, seine Archäologen und die hiesigen Medien zu elektrisieren. Unser Autor war auch bei der Pressekonferenz – er kennt Bjarne, der ihn sozusagen persönlich eingeladen. Neues aus Buschmanns Kosmos.

Von Ulf Buschmann

An den 11. September vergangenen Jahres kann ich mich ziemlich gut erinnern. Es war kurz nach 19.30 Uhr. Ich hatte mich just auf meine Couch begeben, um Buten & Binnen zu schauen. Mein Telefon: „Hallo Ulf, hier ist Bjarne“, sagt der Anrufer. Bjarne, damals acht, heute neun Jahre alt, war sichtlich aufgeregt. Er hatte vor einigen Wochen beim Buddeln auf dem Grundstück seines Hortes in Arsten eine kleine Münze gefunden.

Mithilfe von Mama und Papa kontaktierte Bjarne die Bremer Landesarchäologin Prof. Dr. Uta Halle. An eben jenem 11. September, dem „Tag des offenen Denkmals“ zeigte Bjarne seinen Fund und verzückte Uta Halle geradezu. „Es soll eine Pressekonferenz geben. Schreibst Du auch was?“, fragte Bjarne mich. Logisch, dass ich zusagte.

1.800 Jahre alter Silberdenar

An diesem Freitag, dem 11. August, ist es soweit: Alle in Bremen vertretenen Medien sind gekommen. Alle möchten Bjarne und Uta Halle interviewen. Denn zwischenzeitlich hat sich herausgestellt: Die Münze aus Arsten, ein Silberdenar, ist schlappe 1.800 Jahre alt. Sie stammt aus der Zeit des römischen Kaisers Marc Aurel und wiegt ganze 2,4 Gramm. Kleine Münze, große Wirkung sozusagen. Natürlich habe auch ich einen Beitrag darüber geschrieben. Ganz sachlich und nachrichtlich.

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Bjarne erscheint mir im Traum

Eigentlich könnte ich das Thema nun beiseitelegen. Erledigt, wie vieles im oftmals schnellen Nachrichtengeschäft. Doch ganz so ist es nicht. Bjarne und sein Fund beschäftigen mich noch immer und haben es schon Tage vorher getan. Ich habe sogar von ihm geträumt. In meinem Traum kommt er mitten in einem Interview auf mich zugerannt und fragt mich: „Ulf, was schreibst Du?“ Die Antwort kann ich ihm nicht mehr geben, weil ich aufwache und den Kopf schüttel.

Interviews cool gemeistert

Daran muss ich denken, als ich auf dem Weg vom Bremer Hauptbahnhof zur Landesarchäologie im ehemaligen Postamt 5 bin. Ich treffe einen Kollegen, und zusammen fahren wir mit dem Fahrstuhl in den zweiten Stock. Dann noch einmal rechts und links die Treppe hinauf – ich sehe Bjarne schon mittendrin. Er gibt mehrere Interviews. Zwischendurch kuschelt sich der Neunjährige an Papas Bein. Er holt sichtlich Luft und beantwortet geduldig die nächsten Fragen. Davon sind es an diesem Vormittag eine ganze Menge. Ich bin erstaunt: Ist Bjarne vorher gecoacht worden? Auf meine Frage schüttelt Mama den Kopf. Wir Erwachsenen sind uns einig: Bjarne macht es so gut, weil nicht nur Mama und Papa, sondern auch seine Omas und Opas dabei sind.

Die wissenschaftliche Bedeutung

Bjarne bekommt für seinen Fund eine öffentliche Belobigung und zwei Bücher als Geschenk. Vorher erklärt Bremens Landesarchäologin die Bedeutung des Silberdenars beziehungsweise dessen Fund: Zwar gebe es Vergleichbares in Nordwest-Deutschland, aber eben nicht in Bremen. Das kleinste Bundesland könne nur drei derartige frühgeschichtliche Schätze nachweisen. Sie wünsche sich, dass Bjarne und seine Familie zustimmen, die Münze im Bremer Focke-Museum zu zeigen. Bjarne stimmt zu. Das ist das Wichtigste.

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Nochmal buddeln

Die Pressekonferenz ist vorbei. Für Bjarne und seine Schwester gibt es ein Wassereis. Die Familie darf einen Blick hinter die Kulissen der Landesarchäologie werfen und die Frau kennenlernen, die den Silberdenar restauriert hat. Dann geht es mit dem Buten & Binnen-Team noch einmal zum Hort, wo auch Bjarnes Schule ist. Dort stellt er das Buddeln vom vergangenen Jahr nach. Am Abend schaue ich mir die Veröffentlichungen in den Medien an. Bjarnes Kopf hier, die Münze dort. Wo kürzlich noch der vermeintliche Löwe aus Kleinmachnow bei Berlin die Schlagzeilen bestimmte, ist es jetzt Bjarne.

Münze versus Wildschwein

Seine Geschichte finde ich persönlich viel interessanter als die aus der Hauptstadt – Wildschweine, als die sich der Löwe entpuppte, gibt es schließlich überall. Aber eine 1.800 Jahre alte Münze eben nicht. Und Bjarne ist sowieso einzig – wenn auch sicherlich nicht immer artig. Aber das macht nichts. Auch ich habe noch genug Flausen im Kopf.