Vierbeiner auf zwei Beine gestellt
Fledermaus, Giraffe & Co.: Wie die Bremer Illustratorin Valeska Scholz Kindern ganz leicht das Zeichnen von Comicfiguren vermittelt.
Von Daniela Krause
Igel, Hamster oder Katta? Gar nicht so leicht, sich für ein Tier zu entscheiden. Der Tisch im Ausstellungsraum der Wassermühle Sudweyhe liegt voll mit Bildern von Tieren. Die Bremer Kinderbuchillustratorin Valeska Scholz gibt einen Comic-Workshop als Programmpunkt ihrer Ausstellung „Wimmelwelten & witzige Wesen“. Gerade sind die Kinder dabei, sich ein Foto von einem Tier auszusuchen, aus dem am Ende eine lustige Comicfigur entstehen soll. Als alle eines gefunden haben, geht es an die Vorbereitung: „Guckt euch euer Tier erstmal ganz genau an. Was ist besonders? Hat es zum Beispiel Streifen, Punkte oder ein Fell?“, fragt Valeska Scholz.
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Dachs über Kopf
Anhand der Fotos erstellen die Kinder eine Mindmap: Die Tierbezeichnung steht auf dem Papier in der Mitte. Drumherum wird aufgeschrieben, was an ihm aufgefallen ist. Line (9) notiert zu ihrer Fledermaus: „Große Ohren, Flügel, Krallen an den Flügeln, braunes Fell, kleine Schnauze.“ Als alle Teilnehmer fertig sind, sagt Valeska Scholz: „Ihr habt richtig gut beobachtet und viel aufgeschrieben. Jetzt wollen wir daraus eine Figur zeichnen. Und das geht so…“ Die Kinder staunen nicht schlecht, als die Illustratorin ein weißes Blatt Papier vor sich hält und über Kopf die ersten Punkte und Striche zeichnet, sodass alle gut sehen können, was sie zeichnet. „Wir fangen an mit den Augen, dann kommt die Nase, als nächstes die Ohren…“ Schnell erkennen die Teilnehmer: „Das wird ein Dachs!“

Über Kopf zeichnen – das ist für die Kinderbuchillustratorin Valeska Scholz kein Problem. Foto: Daniela Krause
Mit Buntstiften Leben einhauchen
Valeska Scholz hat noch einen tollen Tipp: „Probiert mal, euer Tier mit zwei Beinen zu zeichnen, auch wenn es eigentlich vier hat.“ Zum einen ist das Tier dann ein bisschen einfacher zu zeichnen, zum anderen bekommt es so den typischen Comic-Charakter. Nun legen die Kinder selbst mit Papier und Bleistift los. Ab und zu kommt auch der Radiergummi zum Einsatz, etwa wenn die Ohren noch ein bisschen größer werden sollen. Mit Buntstiften hauchen die Mädchen und Jungen den Zeichnungen Leben ein. Valeska Scholz geht herum und bestaunt die Werke der Kinder: „Ich bin ganz begeistert!“, sagt sie anerkennend und hilft dabei, aus Pappe Aufsteller für die ausgeschnittenen Tiere zu basteln.

Dank eines Alpaka-Fotos als Vorlage entsteht eine Comicfigur mit ganz eigenem Charakter. Foto: Daniela Krause
Ein Alpaka im Strickpulli
Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Mette hat ein Zebra gezeichnet: „Das Zebra ist mein Lieblings-Steppentier, weil die so gestreift sind und fast aussehen wie Pferde“, erzählt die Siebenjährige. „Die haben auch einen wuscheligen Schwanz.“ Viel Farbe hat sie für das Zebra naturgemäß nicht gebraucht, nur an den Ohren hat sie kleine Akzente in Rosa gesetzt. Auf dem Maltisch gibt es noch mehr fantasievolle Figuren zu bestaunen: eine Giraffe mit langem Schal, ein Latzhose tragendes Erdmännchen und ein Alpaka mit Strickpulli. Die Fledermaus hält ein Geschenk in den Krallen: „Die hilft dem Weihnachtsmann beim Verteilen der Geschenke“, erklärt Line. Die Kinder und Valeska Scholz sind sich einig, dass der Comic-Workshop allen großen Spaß gemacht hat.

Wenn man Vierbeiner auf zwei Beine stellt, geht das Zeichnen leichter von der Hand. Foto: Daniela Krause
Finissage mit Künstlergespräch
Die Ausstellung „Wimmelwelten & witzige Wesen“ in der Wassermühle Sudweyhe, Im Mühlengrunde 15, ist noch bis Sonntag, 11. Januar, von 12 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Am letzten Tag gibt es um 16 Uhr die Finissage mit Künstlergespräch.
Vier Fragen an Valeska Scholz:
Worin liegt für Sie die Magie daran, wenn Kinder ihre ersten eigenen Comicfiguren erfinden?
Kinder gehen meistens (zum Glück) ganz unbedarft ans Werk und zeichnen erst einmal drauf los. Das finde ich toll! Wenn dann mit ein paar Tipps meinerseits ihre eigene Figur entsteht, hat diese ihren ganz eigenen Charme und oft schon eine eigene Persönlichkeit. Das sehen auch die Kinder und sind dann unheimlich stolz. Es entstehen manchmal schon direkt erste Ideen, was diese Figur alles noch erlebt. Das ist toll zu sehen und die Fantasie und Begeisterung der Kinder zu spüren.
Gab es beim Workshop einen Moment, der Sie überrascht oder berührt hat?
Erst einmal fand ich es toll, dass so viele Kinder bei dem Workshop mitgemacht haben. Mich hat es berührt, wie stolz alle auf ihre Zeichnungen waren. Während des Workshops hat auch ein Kind beim Zeichnen gerufen: „Wow, das sieht so toll aus!“ Das finde ich großartig! Da können wir Erwachsenen uns auch mal etwas abgucken. Wir können uns selber auch öfter mal loben für Dinge, die wir gut gemacht haben.
Geschichten können beim Machen entstehen und sich weiterentwickeln.
Was ist das Wichtigste, das Kinder beim Zeichnen und Geschichten Erfinden lernen können?
Die Kinder können erfahren, dass sie eigene Figuren erschaffen können. Mit Tier-Vorlagen als Anhaltspunkt und mit eigenen Ergänzungen. Die Geschichten ergeben sich dann manchmal automatisch beim Weiterdenken. Hat die Figur zum Beispiel einen lagen Schal um, kann die Geschichte erzählt werden, wie sie zu dem Schal kam. Geschichten können beim Machen entstehen und sich weiterentwickeln. Das ist meines Erachtens eine wichtige Erkenntnis. Es muss nicht immer alles im Vorfeld fertig sein.
Wichtig finde ich auch, dass Kinder und auch Erwachsene lernen, dass die Zeichnung nicht perfekt sein muss. Der Charakter und der Charme einer Comicfigur entsteht oft durch das Unperfekte.
An welchem Projekt arbeiten Sie gerade?
Gerade arbeite ich an einem neuen Wimmelbuch. Es geht um Travemünde, das ist ein Seebad an der Ostsee. Danach habe ich schon weitere Bücher in der Planung. Eins mit Gedichten und ein Sachbuch zum Thema „1. Hilfe für Kinder“. Es wird also nicht langweilig und ich bin gespannt, welche Figuren noch entstehen werden.

Diese Skizzen hat Valeska Scholz für das Kinderbuch „Kleiner Räuber Roddi Hut“ angefertigt. Foto: Daniela Krause
Zur Person: Valeska Scholz
Valeska Scholz ist 1980 in Hannover geboren und im Weserbergland aufgewachsen. Seit 2002 wohnt sie in Bremen, hat dort an der Hochschule für Künste studiert und arbeitet als selbstständige Grafikdesignerin und Illustratorin für Firmen und Verlage. Außerdem gibt sie Workshops für Kinder und Erwachsene. Am liebsten mag sie witzige Typen und freche Tiere. Neben ihren Aufträgen für große Kinderbuchverlage gibt sie Workshops und macht Führungen für Kinder durch das Bremer Übersee-Museum.
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Ulf Buschmann