Das Professor-Gen

Abwesenheitsnotizen für Mails sind praktisch. Damit kommt heute kaum ein Mensch im Geschäftsleben aus. Doch mit den richtigen Zeiträumen tun sich manche Menschen schwer – Buschmanns Kosmos mit einem Erfahrungsbericht.

Von Ulf Buschmann

„Sagen Sie, ist etwas mit Ihrer Kollegin? Hat sie gesundheitliche Probleme?“, fragt die besorgte Dame am Telefon. „Nein“, ist meine Antwort, „sie hat diese Woche Urlaub. Ab Montag ist die Kollegin wieder im Dienst.“ Ich bin erstaunt über diese Frage und hake nach: Wie die Dame darauf komme? Gleichzeitig schaue ich nach. „Ich bin derzeit abwesend und erst ab dem 16.06.2025 wieder erreichbar“, steht da. Rätsel gelöst! Wir beide müssen lachen. Die Dame ist erleichtert, und ich habe Stoff für meine Kolumne.

Abwesenheitsnotizen sind heute Bestandteil der Arbeitswelt. Wer Urlaub hat, auf Fortbildung ist oder einen anderen Grund hat, richtet den Automaten entsprechend ein. Voraussetzung dafür ist allerdings, sich nicht im Kalender zu vertun – siehe oben. Dies können meiner Erfahrung nach zwei Berufsgruppen besonders gut: Journalisten und Pastoren. Ihnen gemein ist das „der zerstreute Professor-Gen“.

Der Kopf ist voll

„Ich habe so viel im Kopf, da muss ich manchmal aufpassen, dass ich nichts vergesse.“ Dieser Spruch ist allem Anschein nach Teil dieses Gens. Was den Betroffenen peinlich ist, sorgt bei denen mindestens für ein Schmunzeln, die es lesen. Schallendes Gelächter hingegen produzieren viele Pastoren. Erfahrungsgemäß stehen diese mit Zahlen eher auf Kriegsfuß. Das schlägt sich gerne beim Blick auf ihre Kalender nieder. Den Rekord hält ein inzwischen pensionierter Geistlicher: Er hat seinen Urlaub ganze drei Jahre nach hinten datiert. Auf die Frage, wie lange die Entwicklung seiner Zeitmaschine gedauert habe, reagiert er zuerst mit ungläubigem Blick, dann mit einem gesunden schallenden Lachen.

Dass Zahlen vermintes Gebiet sind, zeigt sich hin und wieder auch beim Verfassen von Einladungen; die für die Zusammenkunft eines Gremiums ist jüngst zwei- oder dreimal gekommen. Zuerst stimmten Tag und Datum nicht überein, dann war es das Jahr und zum Schluss eine falsche Uhrzeit. Die Verwirrung war komplett.

Bis zu diesem Punkt habe ich mich über meine Zeitgenossen amüsiert. Ich gebe jedoch zu: Auch in mir schlummert das „der zerstreute Professor-Gen“. Es führt entweder zum Augenrollen bei Freunden, Bekannten und Kollegen oder sie klatschen gleich die Hand an die Stirn. Ende vergangenen Jahres etwa vergesse ich gleich zwei Wochen hintereinander die Zusammenkunft unseres Vorstandes der Landespressekonferenz. „Trage es Dir ein“, ermahnt mich logischerweise unsere Vorsitzende. Jetzt passe ich ganz doll auf.