Zwölf Stunden Proben an einem Tag

Mit Indie-Pop, deutschen Texten und viel Energie will die fünfköpfige Bremer Band JoschY durchstarten. Im Dezember kommt die erste EP.

Von Daniela Krause

„Wie lange haben wir heute geprobt?“, fragt Schlagzeuger Constantin Hussong. „Zwölf Stunden?“, schätzt Sänger Joschua Lüdemann. „Wie wirst du da nicht verrückt?“, will Hussong wissen und tippt sich mit seinen Drumsticks an den Kopf. „Keine Ahnung“, lautet die Antwort. Dieser lustige Schlagabtausch der beiden Mitglieder von „JoschY“ entstand nach einem Probetag, der jeden normalen Zeitrahmen gesprengt hat. Das ist aber auch kein Wunder, denn die Bremer Band feilt mit viel Energie an ihrem ganz eigenen Indie-Pop-Sound, um bald ihre erste EP zu veröffentlichen. Am 13. Dezember ist es soweit: Dann feiern die fünf Musiker ihr Debüt „Ich sehe was, was du nicht siehst“ mit einem Releasekonzert in der Lila Eule und der Band Véloclub als Support – nach diversen gerissenen Gitarrenseiten und unzähligen Stunden im Proberaum Use Akschen 91.

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Doch wie kam es im Herbst 2024 zur Gründung der aufstrebenden Band, die sich selbst im Bereich des modernen Indie-Pops mit Einflüssen aus Funk, Reggaeton und Rock verortet? Zunächst einmal sind die fünf jungen Männer in der Bremer Musikszene keine Unbekannten: Bassist Simon Hussong und Schlagzeuger Constantin Hussong sind mit „Halftime“ bereits erfolgreich unterwegs. Die Gitarristen Fabio Windt und Lovis Eilts gewannen 2024 als Mitglieder von „The Cave“ das 30. Schulrockfestival. Der Fünfte im Bunde, Joschua Lüdemann, wurde durch TikTok-Videos bekannt, in denen er deutsche und englische Songs covert. Er singt, spielt Gitarre, begleitet sich am Keyboard und ist Namensgeber der Band: „Wir haben uns für meinen Namen mit einem großen Y entschieden, damit klar wird: Das bin nicht ich alleine, sondern eine ganze Band“, so Lüdemann. Durch eine Theateraufführung am Gymnasium Scheeßel wurden die vier Musiker, die ein neues Bandprojekt starten wollten, auf den Sänger aufmerksam: „Es hat sich schnell gezeigt: Das passt echt gut zusammen“, sagt Constantin Hussong.

Ein junger Mann sitzt hinter einem Schlagzeug und spielt.

Constantin Hussong gibt am Schlagzeug den Takt an. Foto: Daniela Krause

Liebe, Nähe und Verletzlichkeit

Der Einstieg in die eigene Diskografie gelingt im Juli 2025 mit „Zwei Bilder“. Der Song fängt eine durchtanzte Sommernacht ein – treibend, leicht, voller Energie. Darauf folgt „Noema“ im August, das mit Reggaeton-Groove und dichten Hooks an Künstler wie Zartmann oder Paul Wetz erinnern soll. Inhaltlich geht es um eine Liebesgeschichte mit Selbstzweifeln und allem, was dazugehört. Mit „Schisser“ zeigt die Band im September ihre funkige Seite. Der Song erzählt von toxischer Liebe, Nähe und Verletzlichkeit – und endet mit der Zeile: „Meine Geschwister hassen dich jetzt auch.“ Das vierte Stück „Brief“, das im November herauskam, bringt eine ruhige, melancholische Note. Der Song gehört zu den ersten Kompositionen der Band und ist entsprechend eng mit ihrer Anfangszeit verbunden. „Wir machen Musik, die man direkt mitsingen kann, die einen catched und zum Tanzen bringt“, beschreibt Lovis Eilts das bisherige Repertoire, in dem von allen viel Herzblut steckt.

Ein Gitarrist im Proberaum.

Lovis Eilts spielt und studiert Jazzgitarre. Foto: Daniela Krause

Musikalisch ausleben

„Wir haben alle Bock, uns kreativ einzubringen und musikalisch auszuleben“, ergänzt Simon Hussong. Dafür investiert die Band viel Zeit ins Proben – was mitunter herausfordernd sein kann, aufgrund der unterschiedlichen Alltage: Angefangen bei Fabio Windt (19), der ebenso wie Lovis Eilts (21) Jazzgitarre studiert. Allerdings in Leipzig, weshalb er häufig pendeln muss. Simon Hussong (23) lernt im dritten Jahr für sein Soziologie-Studium; sein Bruder Constantin Hussong (20) macht sein Freiwilliges Soziales Jahr im Jugendzentrum Friese im Bremer Viertel. Bleibt Joschua Lüdemann (21), der am Gymnasium Scheeßel seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert. Wenn er nicht gerade mit „JoschY“ probt, verausgabt er sich beim Handball (auch als Trainer) und Volleyball. Schaffen die Fünf es nicht in den Proberaum, stehen intensive Online-Sessions via Zoom an.

Ein junger Mann singt ins Mikrofon und spielt gleichzeitig Gitarre.

Ist mit Musik-Covern auf TikTok bekannt geworden: Sänger Joschua Lüdemann. Foto: Daniela Krause

2026 wird noch intensiver

Rund 12.800 monatliche Hörer, 34.800 Streams, Auftritte im Lagerhaus und auf der Breminale – für eine so junge Band ein beachtlicher Start. Im Jahr 2026 soll es noch intensiver weitergehen: mehr Konzerte, mehr Präsenz und mehr Möglichkeiten, das eigene Publikum zu finden. Los geht es am 30. Januar als Support von Vladi Wostok im Hamburger Stellwerk. Für mehr Sichtbarkeit soll es auch Musikvideos zu den Stücken geben. Das erste zum noch unveröffentlichten Song „Joint“ ist schon im Kasten, produziert von Roja Motiee. Mit ihr drehte die Band auf der Sielwallfähre, bei Lovis Eilts in der Küche, in einem Cambio-Auto und sogar in einem Bett im Bürgerpark. Man sieht: An Ideen mangelt es „JoschY“ nicht und Ausdauer haben sie auch. Man darf also gespannt sein, was man von den Jungs in Zukunft zu hören und sehen bekommt.

Ein junger Mann spiel Bass.

Simon Hussong steht nicht nur bei Halftime, sondern auch bei JoschY am Bass. Foto: Daniela Krause

Nächste Konzerte

13. Dezember 2025, 19.30 Uhr, Record Release Konzert JoschY mit Support Véloclub, Lila Eule
30. Januar 2026, 19.40 Uhr, Vladi Wostok und Support JoschY, Stellwerk Hamburg

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