Von der Schiffsliebe zum Podcast

Warum zieht es einen Bayer an die Nordseeküste? Im Fall von Benedikt Neuhauser war es sein Freiwilliges Soziales Jahr, das er im Bereich Kultur absolvierte. Als eigenes Projekt entwickelte er in dieser Zeit den Podcast „Schiffelauschen“ für das Deutsche Schifffahrtsmuseum Bremerhaven.

Von Daniela Krause

Benedikt Neuhauser liebt das Wandern in den Bergen. Im Winter unternimmt er gerne Langlauftouren – und der junge Mann ist fasziniert von Schiffen. Allerdings ist dies in seiner Heimatstadt Traunstein in Oberbayern bekanntlich so eine Sache. Wenn, muss man dort eher mit kleineren Exemplaren vorliebnehmen, denn in der Nähe liegt lediglich der Chiemsee. So war es für den 19-Jährigen schlichtweg Glück, als er bei seiner Recherche nach Optionen für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Internet auf das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte in Bremerhaven stieß.

„Ich bin als Kind gern in Museen gegangen und wollte schon immer einen Blick hinter die Kulissen werfen“, sagt Benedikt Neuhauser: Welche Struktur verbirgt sich dahinter? Wie kommt eine Ausstellung zustande, und wie viele Menschen sind an einer solchen beteiligt? Diesen Fragen ging er im FSJ auf den Grund. Sein eigenständiges Abschlussprojekt wurde der Podcast „Schiffelauschen“.

Zur Nordseestadt hatte er vor seiner Bewerbung beim DSM keinerlei Verbindung gehabt. „Ich konnte grob sagen, wo Bremerhaven auf der Landkarte liegt und dass es dort einen Hafen gibt. Das war es aber auch schon.“ Selbstständiges Wohnen war ebenso Neuland für den Abiturienten.

Zwischen Museum und Homeoffice

In der Zeit beim Deutschen Schifffahrtsmuseum konnte er seine drei großen Interessenfelder Geschichte, Geografie und Schiffe hervorragend miteinander verbinden – auch, wenn aufgrund der Corona-Pandemie das Tätigkeitsprofil, wie er sagt, letztlich nicht ganz der Realität entsprach: „Leider mussten diverse geplante Veranstaltungen, etwa mit Kindergärten und Schulen, abgesagt werden. Es wäre sonst ein großer Teil meines Aufgabengebiets gewesen, den museumspädagogischen Bereich zu unterstützen. So kam es dazu, dass ich eine geraume Zeit des FSJ im Homeoffice verbracht habe.“

Langeweile war für ihn dennoch ein Fremdwort: Das Team plante Veranstaltungen für den nächsten Sommer, Meetings fanden online statt, die er protokollieren durfte. Der FSJler engagierte sich im Bereich Besucherforschung und nahm kleinere Aufgaben im Museum wahr. „Später durften wieder vereinzelt Projekte mit kleineren Gruppen realisiert werden. An meinem letzten Tag fand ein Ferienkurs statt, den ich mit betreuen durfte. Das war sehr schön“, erzählt Neuhauser.

Playmobil-Ausstellung im DSM

Die Sonderausstellung mit den Playmobil-Landschaften von Oliver Schaffer zog besonders junge Besucher an. Foto: DSM / Hauke Dressler

Sonderausstellung: „Kogge trifft Playmobil“

Ein Erlebnis war für ihn die Sonderausstellung „Kogge trifft Playmobil“, die bei den Besuchern auf große Resonanz stieß und auch digital angeboten wurde: Playmobil-Landschaften des Hamburger Künstlers Oliver Schaffer, die rund um die original Bremer Kogge von 1380 im Museum aufgebaut waren, vermittelten die Geschichte des mittelalterlichen Schiffes. „Beim Abbau der Ausstellung durfte ich einige Playmobil-Schiffe heruntertragen, von denen ich als Kind nur träumen konnte“, sagte Neuhauser im Interview mit dem DSM. Noch spannender als die Kogge aus Playmobil fand er jedoch das Original und die vielen Exponate der Dauerausstellung.

Ehrfürchtig habe er vor der Bremer Kogge gestanden, dem am besten erhaltenen Handelsschiff des Mittelalters. 1962 hatte man sie zufällig bei Bauarbeiten in der Weser bei Rablinghausen entdeckt. Kein anderes Objekt, so heißt es von Seiten des DSM, habe die Geschichte des Hauses so sehr geprägt, wie die Kogge, die den Anlass zur Gründung des Museums geboten habe. Sie sei seit ihrer Entdeckung immer ein Objekt der maritimen interdisziplinären Forschung gewesen.

Drei Podcastfolgen

Für Benedikt Neuhauser stand nach der ersten Begegnung mit der Kogge fest: Er wollte mehr über sie und die anderen Exponate erfahren, besonders über die Schiffe im Museumshafen. Unter dem Namen „Schiffelauschen“ entwickelte er eine dreiteilige Podcastreihe für das DSM, interviewte Fachleute aus dem Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und stellte spannende Informationen über die Schiffe „Grönland“, „Rau XI“ und „Seefalke“ zusammen.

„Da ich selbst sehr gerne Podcasts höre, war das für mich ein ganz tolles Projekt“, berichtet er. In seinen Beiträgen beschäftigt er sich mit der Historie der Schiffe, geht aber auch auf die Bedeutung und Entwicklung der Forschung in den jeweiligen Wissenschaftsbereichen ein und auf die Frage, was ein Schiff zu einem Museumsobjekt macht.

Das erste deutsche Polarforschungsschiff „Grönland“ konnte Benedikt Neuhauser während seines FSJ nicht besuchen. Foto: DSM

Jedes Schiff bringt seine Geschichte mit, die Benedikt Neuhauser im Podcast erzählt. So erfährt der interessierte Zuhörer, dass das erste deutsche Polarforschungsschiff „Grönland“, das leider zum Zeitpunkt des FSJ nicht in Bremerhaven war, ursprünglich in Norwegen für den Fischfang gebaut wurde. Er lernt die „Rau IX“ kennen, ein Walfangschiff, das die Kriegsmarine aufgrund seiner guten Manövrierfähigkeit zum U-Boot-Jäger umbauen ließ. Und er lernt Wissenswertes über den Hochseeschlepper „Seefalke“, der 1945 während eines Luftangriffs auf Kiel im Hafen versenkt wurde. Seit 2005 steht sie als Teil des Kulturdenkmals „Deutsches Schifffahrtsmuseum und Museumsflotte“ unter Denkmalschutz.

Spannende Eindrücke im FSJ gesammelt

Benedikt Neuhauser hat während seines FSJ viele spannende Eindrücke gesammelt. „Alleine das Wissen über die Kogge könnte ein Buch füllen“, meint er. „Bremerhaven ist eine tolle Stadt, und ich habe viele interessante Menschen kennengelernt.“ Dennoch zog es ihn nach dem FSJ wieder nach Oberbayern, wo er inzwischen eine Ausbildung bei der Polizei begonnen hat und damit beruflich in die Fußstapfen seines Vaters tritt. „Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, irgendwann im Urlaub an die Küste zurückzukehren“. Vielleicht kann er dann auch endlich das Polarforschungsschiff „Grönland“ im Museumshafen besuchen, das – Stand Oktober 2021 – laut DSM-Pressesprecher Thomas Joppig noch immer „in einer auf Holzbau spezialisierten Werft in Dänemark umfangreich saniert wird.“

FSJ Kultur

Wer wie Benedikt Neuhauser ein FSJ im Bereich Kultur machen möchte, findet auf der Seite der Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung Niedersachsen weiterführende Informationen.

Soll es nach einem FSJ in die maritime Richtung weitergehen? Dreh- und Angelpunkt für die maritime Ausbildung ist die Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt, über die wir hier berichten.

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