70 Jahre Feuerwehr: Hans Tell mit außergewöhnlicher Lebensgeschichte geehrt
Hans Tell feiert 70 Jahre Feuerwehr Asendorf – vom ersten Einsatz bis zum Fan auf der Tribüne. Technik und Teamgeist prägten sein Leben.
Von Andree Wächter
Die freiwillige Feuerwehr war sein großes Hobby. Hans Tell sen. bekam 2025 die Medaille für 70-jährige Mitgliedschaft in der Ortsfeuerwehr Asendorf (Landkreis Diepholz) verliehen. Den Nachbericht las er zuerst auf seinem Tablet. „Da kann ich mir die Größe so einstellen, dass ich alles gut lesen kann“, sagt der 94-Jährige. Die gedruckte Variante blätterten er und seine Frau Marlis am nächsten Morgen aus Tradition durch. Inzwischen wohnen die beiden im Landleben am Vilser Holz in Bruchhausen-Vilsen. In der Ortsfeuerwehr Asendorf war er lange im Ortskommando tätig, unter anderem als Kleiderwart.
In die Feuerwehr ist Hans Tell erst spät eingetreten, mit 24 Jahren. Bis zu diesem Moment standen der Schützenverein und Motorradfahrern beim MSC Schwarme höher im Kurs. Doch bei dem neuen Hobby ahnte Hans Tell noch nicht, dass er Türen öffnen würde, die bis heute Relevanz haben.
70 Jahre Feuerwehr: Hans Tell mit außergewöhnlicher Lebensgeschichte geehrt
Dass Hans Tell in die Feuerwehr eintrat, lag an einem Besuch der Gaststätte am Asendorfer Bahnhof. „Der damalige Brandmeister meinte, ich solle doch in die Feuerwehr eintreten“, so Tell. Diesen Schritt hat er nicht bereut. Auf die Frage, ob er denn heute wieder in die Feuerwehr eintreten würde, sagt der 94-Jährige: „Ganz klar ja. Das Technische reizt mich.“
Als Autohändler verkaufte Tell der Ortsfeuerwehr 1955 das erste neue Fahrzeug nach dem Krieg – einen DKW-Schnelllaster. Interessanterweise hat die Firma Schuco ein Miniaturmodell dieses DKW als Feuerwehrauto mit der Beschriftung „Feuerwehr Asendorf“ aufgelegt. Logisch, dass ein solches Modell im Schrank von Familie Tell steht.
Damals gab es in Asendorf einen Feuerlöschverband. Er war in etwa vergleichbar mit der heutigen Gemeindefeuerwehr („Samtgemeindefeuerwehr“). Zum Feuerlöschverband gehörten auch Gemeinden wie Hohenmoor, Brebber und Haendorf. Tell: „Man hat sich früh zusammengeschlossen, weil sich nicht jeder Ort eine Pumpe leisten konnte. Deshalb gab es in Asendorf nur eine größere Feuerwehr für das Kirchspiel.“

Fotobuch aus der analogen Zeit: Die Kreiswettkämpfe 1959 in Asendorf. Foto: Sammlung Tell/Foto Fritz
In den vielen Jahrzehnten seiner aktiven Einsatzzeit hat sich das Aufgabenspektrum deutlich gewandelt. „Damals gab es ungefähr 40 Einsätze im Jahr, überwiegend Brandeinsätze — weil der Verkehr (auf der B6, Anm. d. Red.) noch nicht so stark war wie heute“, so der Hauptlöschmeister. Und weiter: „Fehlalarme gab es kaum. Vor allem landwirtschaftliche Anwesen waren gefährdet, weil die Brandlasten hoch waren. Es kam öfter vor, dass Mäuse Kabel unter dem Dach angeknabbert hatten, was dann zu Kabelbränden führte. Einfamilienhäuser in heutiger Form gab es damals seltener.“
Große Einsätze im Straßenverkehr gab es aber trotzdem. Hans Tell blieben einige in Erinnerung. Bei einem Unfall in Renzelfelde schleuderte ein VW-Käfer gegen einen Baum. Dort, wo eigentlich der Fahrersitz sein sollte, befand sich der Baum. Bei einem anderen Einsatz verletzte sich der Asendorfer. Beim Laufen mit einem Feuerlöscher stürzte er. In zwei Fingern rissen die Sehnen. „Glücklicherweise gab es kaum schwere Unfälle unter den Feuerwehrleuten.“
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Dass die Feuerwehrmitglieder gesund nach Hause kommen, hängt auch mit der inzwischen professionellen Ausbildung zusammen. Als Hans Tell anfing, gaben die Älteren ihr Wissen an die Jüngeren weiter. Wer weiterkommen wollte, der besuchte dann Lehrgänge in Syke und an den Landesfeuerwehrschulen.
Nicht nur die Ausbildung war in den 1950er- und 60er-Jahren anders. Auch die Alarmierungen liefen anders ab. 2025 feierte der Landkreis Diepholz 40 Jahre Leitstelle. Die Notrufnummer 112 wurde 1973 in Deutschland eingeführt. Es dauerte sechs Jahre, bis alle Ortsnetze angeschlossen waren. Zuvor gab es Feuermeldestellen. Dies waren Häuser mit Telefon und das Gerätehaus. Im Anschluss lösten befähigte Personen von Hand die Sirenen aus. Weitere Retter erhielten den Einsatz per Telefonkette.
Im Lauf der Zeit bekamen alle Einsatzfahrzeuge Funk und die ersten Atemschutzträger gab es in der Ortswehr ab Mitte der 1960er-Jahre. Entwicklungen, die der Technikbegeisterte begleitete.
Feuerwehrmann Hans Tell: Aktiv und Fan der Feuerwehrolympiade
Um für die Einsätze fit zu sein, nahmen die Feuerwehrmänner an Wettkämpfen teil, und dies sehr erfolgreich. Noch heute zählen die Teams aus Asendorf zu den Besten in Europa. Los ging alles 1961 in Bad Godesberg. „Damals gab es die erste Feuerwehrolympiade. Ich und einige weitere Feuerwehrkameraden haben sie uns angeschaut.
1963 nahmen wir zum ersten Mal teil und wurden 12. von 45 Mannschaften“, sagt Hans Tell. Der Wettkampf fand in Mülhausen (Frankreich) statt. Dafür qualifizierten sie sich über Gemeinde-, Kreis- und Deutschlandebene. Im Kern waren es damals die gleichen Disziplinen, die es noch heute gibt. Angepasst haben die Regelhüter die Hindernisbahn: Früher waren es echte Betonrohre, heute sind es Halbrohre.

Die Asendorfer Mannschaft bei der Feuerwehrolympiade 1963. Foto: Sammlung Tell/Foto Fritz
Mit der Wettkampftruppe feierte Tell große Erfolge. Dass sie mit einer Medaille um den Hals zurückkommen würden, war immer klar, oft war es die Goldene. Zur Einordnung: Das erste Drittel aller Teilnehmer bekommt eine Goldmedaille, das Zweite Silber und das Dritte Bronze. Einmal hat es Asendorf geschafft, mit Platz 1 in der Gesamtwertung anzuführen. Bei der 13. Teilnahme gelang ihnen 1993 dieses Kunststück in Berlin.
Hans Tell hat diesen Triumph aber nur noch als Fan auf der Tribüne verfolgen dürfen. Damals lag die Altersgrenze bei 62 Jahren. Da er im März dieses Limit erreicht hatte, durfte der Asendorfer im Juni nicht mehr aktiv mitmachen. Auch nach seinem Ausscheiden blieb er den Wettkampfgruppen treu. Als Fan begleitete er sie auf ihren Reisen. Feuerwehr ist eben ein Hobby fürs Leben.
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Torsten Kropp