Wenn aus Müll ein Kunstwerk entsteht

Upcycling und Nähen: Rozalia Szalkowska aus Brinkum liebt es, alten Dingen ein neues Leben zu schenken.

Von Daniela Krause

Am Bahnhof vom Boden aufgelesene Busfahrkarten, unbrauchbar gewordene Stifte, Corona-Masken, Knöpfe, leere Tablettenblister, übriggebliebene Nudeln… Rozalia Szalkowska hat einen ganzen Haufen von Dingen gesammelt, die anderen wertlos erscheinen und daraus mit viel Heißkleber, Nadel und Faden ein Kunstwerk geschaffen. Aus Müll ist in mühevoller Arbeit auf Leinwand ein großes Porträt einer Frau entstanden. Mit ihrem Junk-Art-Bild, das den Titel „Trashy Treasure“ trägt, hatte sie am Weyher Kultur-Nachwuchspreis 2024 teilgenommen und war von der Jury nominiert worden. Den Sieg trug jedoch die Singer-Songwriterin Ameel Hotaky davon.

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Ihre ehemalige Kunstlehrerin hatte Rozalia Szalkowska auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht, bei dem es zum Motto „Magie des Alltags“ künstlerisch aktiv zu werden galt. Auf dem Weg von der Schule nach Hause musste die Brinkumerin ihr Thema nur noch von der Straße aufheben: „Ich nahm eine leere Plastikflasche in die Hand und dachte: Das ist die Idee!“, so die 19-Jährige. Über Monate hinweg sammelte sie verschiedene Arten von Müll, um damit ihr Bild zu gestalten. Sie malte es vorher auf Leinwand und beklebte es später Stück für Stück mit den Gegenständen. „Ich wollte mit dem Werk zeigen, dass Kunst überall zu finden ist, selbst in den Dingen, die keiner mehr will.“

Ein Porträt einer Frau aus zusammengeklebtem Müll.

Auf ihrem Bild „Trashy Treasure“ gibt es eine ganze Menge zu entdecken. Foto: Daniela Krause

Gegen Fast-Fashion und Überkonsum

Ihre eigene Haltung zum Thema Müll und Umwelt floss in ihre Arbeit mit ein: „Wir leben in einer Welt, die stark mit Müll und Überkonsum zu kämpfen hat. Und ich finde es faszinierend, Ungewolltes in etwas Neues und Wertvolles zu verwandeln.“ Ihre Inspiration schöpft sie dabei überwiegend aus alternativen Subkulturen wie Goth und Punk. Beide Bewegungen, erklärt sie, legen großen Wert auf Individualität und Kreativität und stehen im klaren Gegensatz zu gesellschaftlichen Normen. „Das gefällt mir sehr. Ich selbst bin zum Beispiel gegen Fast Fashion. Irgendwann habe ich angefangen, Kleidung zu reparieren und dann selbst zu nähen.“ Viele Kniffe beim Nähen hat Rozalia Szalkowska von ihrer Oma gelernt, für die sie auch schon genäht hat – zum Beispiel Patchwork-Kissen.

Eine junge Frau hält einen gelbschwarz karierten Rock hoch.

Diesen Rock hat Rozalia Szalkowska selbst designt. Foto: Daniela Krause

Mit dem Cosplay-Hobby fing es an

Das Nähen war hilfreich für ihr damaliges Hobby Cosplay: „Die Verkleidungen und das Zubehör waren sehr teuer. Deshalb habe ich alte Stoffe und Materialien zusammengetragen und mir mein erstes Kostüm von Hand genäht.

Es war sehr schief, manches war zu klein, manches zu groß, aber ich war so stolz und glücklich!

Mit 14 Jahren bekam sie eine Nähmaschine geschenkt und startete damit durch. Mittlerweile näht sie viel für Familie und Freunde, aber auch für sich selbst. Das Halloween-Fest ist für sie jedes Jahr ein willkommener Anlass, an der Nähmaschine ein neues Kostüm entstehen zu lassen, ebenso Cosplay-Conventions, die sie ein bis zweimal im Jahr mit Freunden besucht.

Traum vom eigenen kleinen Mode-Label

2026 will Rozalia Szalkowska in Polen, wo sie auch geboren ist, ihr Abitur machen. Ein großer Traum ist, danach entweder Psychologie zu studieren oder im pädagogischen Bereich zu arbeiten. Ihr künstlerisches Hobby, das Nähen, möchte sie beibehalten und kann sich auch sehr gut vorstellen, als zweites Standbein ihr eigenes kleines Modelabel zu gründen. Jedes Teil, das von ihrer Nähmaschine springt, trägt bereits ihre Initialen „RS“. „Ich möchte auch gerne lernen, auf Stoff zu malen“, erzählt sie.

Eine junge Frau im Goth-Look liegt auf einer Wiese und wird über Kopf abgebildet.

Halloween 2025 suchte sich die 19-Jährige den Goth-Look aus. Foto: Rozalia Szalkowska

Tops aus Band-T-Shirts genäht

Am Kleiderständer in ihrem Zimmer unter der Schrägwand mit den Metal-Band-Postern hängt eine Auswahl an selbstgenähten Stücken. „Ich habe aus alten Band-T-Shirts Tops geschneidert und Röcke selbstgenäht, mit Ketten und Nieten aus dem Baumarkt.“ Sie stöbert gerne auf Flohmärkten und ergattert dort Kleidung, aus der sie dann etwas Neues gestaltet. „Wenn die Leute die von mir selbstgenähte Kleidung tragen und sogar bereit sind, dafür Geld zu bezahlen, macht mich das wirklich sehr froh“, sagt Rozalia Szalkowska. „Es bestärkt mich in dem, was ich tue.“

Weyher Kultur-Nachwuchspreis

Der Weyher Kultur-Nachwuchspreis wurde im Jahr 2022 erstmals verliehen. Ursprünglich sollte es jährlich eine Ausschreibung geben. Aufgrund zu geringer Bewerberzahlen wird er nur noch alle zwei Jahre ausgeschrieben, das nächste Mal 2026. Mit dem Preis will die Kommune jungen Künstlern helfen, in der Kultur Fuß zu fassen, und sie dazu ermutigen, sich auszuprobieren. Der Gewinner erhält ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro. Das Thema des Wettbewerbes lautet „DenkMal“. Einsendeschluss für die Bewerbungen ist der 30. Juni 2026. Mehr Infos hier.

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