Der „Präsi“ sitzt jetzt auf seiner Wolke
Am 1. März verstarb unser Freund und Kollege Frank Schümann. Wir haben mit ihm einen empathischen Menschen und klugen Kopf verloren – ein Nachruf.
Von Anuschka Bacic, Daniela Krause, Andree Wächter und Ulf Buschmann
„Was sagt denn der Präsi dazu?“ Diese oder ähnliche Fragen gab es seit dem Start unserer Nord West Reportagen im Dezember 2021. Wir legten immer viel Wert auf seine Antworten. Leider können wir ihm diese Fragen nun nicht mehr stellen – Frank Schümann, liebevoll von uns „Präsi“ genannt, ist am 1. März im Alter von 60 Jahren nach schwerer Krebserkrankung gestorben. Mit ihm haben wir nicht nur einen überaus klugen Kopf verloren, sondern auch einen guten Freund und sehr empathischen Menschen.
Als wir mitten in der Corona-Pandemie beschlossen hatten, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, war alsbald klar: Frank ist dabei. Er passt in unser Team wie der sprichwörtliche Deckel auf den Topf. Mit seiner Erfahrung und seinem Können weitete er unseren Horizont. Im Gegenzug konnten wir ihm etwas vermitteln, was in seinem journalistischen Leben bislang zweitrangig war – die Funktionsweise von Online-Texten etwa.
Viel mehr Bedeutung hat für uns als Team, dass wir aufeinander aufpassen. Das galt auch für Frank. Er merkte sofort, wenn es einem von uns mal nicht gut ging. Unser „Präsi“ hatte in diesem Fall entweder die passenden Worte parat oder schickte einfach mal ein Foto als Stimmungsaufheller. Und wenn einer von uns mal wieder zu viel Blödsinn machte, genügten ein Blick oder eine Bemerkung des „Präsi“, um für Disziplin zu sorgen.
Die Schümann’schen Schlenker
Als legendär erwies sich schon bald nach dem Start Franks Kolumne „Schümann’scher Schlenker“. Darin griff er die kleinen und großen Dinge auf, die ihn bewegten – nicht in marktschreierischer Weise. Im Gegenteil, unser „Präsi“ war ein Mensch der leisen Töne. Er fand die kleinen Nebensächlichkeiten und bettete diese ins Große, Ganze ein: „Es war im späten Sommer, als ich mit den Kollegen von den Nord West Reportagen bei Explore Science Schulklassen betreute, um mit ihnen eine Zeitung zu erstellen. In einer Pause – es war heiß und durchaus anstrengend – stand ich barfuß auf dem Gelände, während ich die vorbeikommenden Jogger, Walker und Spaziergänger beobachtete. Ich hatte quasi direkten Kontakt zur Erde des Bürgerparks und dachte: Wahnsinn, was man über die vielen Jahre hier schon erlebt hat. Und: Mensch, schreib da doch mal was drüber!“, schreibt er in seinem letzten Schlenker, der am 30. November 2024 erschien.
Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon fünf Monate in seiner neuen Tätigkeit hinter sich. Unser „Präsi“ war zu seinen beruflichen Wurzeln zurückgekehrt: Als Lokalredakteur der Mediengruppe Kreiszeitung betreute er die Stadt Twistringen. Er war voller Tatendrang und machte sich dort unfassbar schnell einen Namen. Rat, Ausschüsse, Vereine, Verbände – der klassische Lokaljournalismus war sein Ding. Frank hat Spuren in Twistringen hinterlassen.
Doch der Krebs bremste ihn frühzeitig aus – beruflich und persönlich. Bis zuletzt war Frank voller Zuversicht, dass er wieder auf die Beine kommen würde. Es hat nicht sollen sein. Unser „Präsi“ Frank Schümann ist am 1. März um kurz vor 16 Uhr, knapp drei Wochen vor seinem 61. Geburtstag, friedlich eingeschlafen. Wir werden ihn immer im Herzen tragen.


Daniela Krause
Andree Wächter